Was ist ein Coffee Shop?

Heute erscheint die Frage „Was ist ein Coffee Shop?“ in Deutschland banal. Vor zwölf Jahren aber, als Vanessa Kullmann die Idee einen Coffee Shop zu eröffnen nach Deutschland brachte, gingen die Vorstellungen darüber stark auseinander. Ein Beamter fragte sie gar, ob sie dort Marihuana verkaufen wollte, wie das in den Niederlanden üblich war.

 

©Andrea Kuhn

Kaffee aus Pappbechern zu trinken war damals noch genauso unüblich wie in der Schule mit dem Handy aufzutauchen und viele, denen sie von der Idee erzählte, waren skeptisch oder glaubten einfach nicht an den Erfolg.

In den USA, insbesondere in New York, fand man Coffee Shops dagegen an jeder Ecke. Starbucks gab es bereits seit 1971, damals nur an der Westküste. Und für viele war es selbstverständlich auf dem Weg zum Büro an einem Coffee Shop halt zu machen, für sich und oft auch für Kollegen einen Kaffee zu besorgen und die Atmosphäre im Laden zu genießen.

Eine Definition

Laut dem American Heritage Dictionary of the English Language ist ein Coffee Shop ein kleines Restaurant, in dem Kaffee und leichte Speisen verkauft werden.

Aber ein Coffee Shop wie ihn Vanessa Kullmann in den USA kennenlernte, ist viel mehr als das. In einem Coffee Shop werden verschiedene Kaffeespezialitäten angeboten, die zum Mitnehmen im Pappbecher oder zum Sofortverzehr gekauft werden können. Der Kaffee hat dabei eine besondere Qualität und egal wo man seinen Kaffee verzehrt, man erwirbt ihn direkt am Tresen, es gibt keine Bedienung, die an die Tische kommt. Zusätzlich gibt es kleine Snacks und Kuchen. Die Atmosphäre ist gemütlich. Für Kullmann muss jeder Balzac Coffee Shop so eingerichtet sein, dass man am liebsten dort einziehen möchte.

Des Weiteren ist es ein „konventionsfreier Raum“ um Kullmanns Worte zu gebrauchen. Das heißt es ist irrelevant, aus welcher Bevölkerungsgruppe man kommt. Die Kunden eines Coffee Shops setzen sich aus Mitgliedern aller Alters-, Berufsgruppen und Schichten zusammen. Er ist sozusagen ein „Schmelztiegel“ der Gesellschaft. „Der Kaffee [bringt] alle friedlich zusammen“.

Im Vergleich zu einem normalen Café oder Bistro sind Coffee Shops eher klein. In der Regel verfügen sie über nicht mehr als 50 qm Ladenfläche. Diese ist aufgeteilt in kleine Sitzgruppen, den großen Tresen- mit Wartebereich sowie häufig einen weiteren Produktausstellungsbereich. Hier findet man weitere Kaffeeprodukte wie Kaffeebohnen und –pulver aber auch Geschirr, Kekse und allerlei weiteres.

Wie gesagt, heute ist es leicht sich unter einem Coffee Shop etwas vorzustellen, weil es an jeder Ecke einen gibt. Vanessa Kullmann aber musste 1998, nachdem sie eine Großbestellung von 600.000 Pappbechern mit dem Balzac-Logo in Auftrag gegeben hatte, zusätzlich Porzellan-Tassen kaufen, weil die Deutschen anfangs keine Lust hatten, aus den Pappbechern ihren Kaffee zu trinken , eben noch nicht mit dem Coffee-Shop-Prinzip vertraut waren. Heute empfinden wir das als völlig normal und bisweilen als schick.

Quellen
American Heritage® Dictionary of the English Language Fourth Edition copyright ©2000 by Houghton Mifflin Company, Updated in 2009, Published by Houghton Mifflin Company
Vanessa Kullmann: keine große sache, Heyne Verlag, 2007, Seite 24, 65, 81, 114-117

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  1. #1 von Daniela am Oktober 18, 2010 - 12:38 pm

    Stammt der Kaffee den Balzac Coffee verwendet auch aus fairem Handel, wie es bei Starbucks der Fall ist?

  2. #2 von Andrea am Oktober 18, 2010 - 12:49 pm

    Ich konnte dazu leider noch keine Informationen finden, habe aber bei Balzac angefragt. Ein wirklich interessanter Punkt, gerade weil ja, wie du sagst, der Hauptkonkurrent Starbucks fair gehandelten Kaffee verkauft.

  3. #3 von collins5ycopycat am Oktober 19, 2010 - 12:04 pm

    Andrea ich möchte dir in Bezug Bezug auf den fair gehandelten Kaffee von Starbucks nicht widersprechen, aber möchte einfach nur wissen, welcher Quelle du entnimmst, dass Starbucks fair handelt. Ich bin kein Kaffeetrinker und haben mich diesbezüglich noch nie auseinander gesetzt.

  4. #4 von Andrea am Oktober 19, 2010 - 12:30 pm

    @Collins: Hier (http://www.starbucks.de/de-de/_Social+Responsibility/) findest du die Infos zum Fairtrade Kaffee bei Starbucks.

  5. #5 von Silas am Oktober 19, 2010 - 5:11 pm

    Interessant ist ja, dass sogar McDonalds angefangen hat, in manchen Filialen einen Coffeeshop (McCafe) einzurichten. Coffee to go scheint sich mittlerweile bei uns so stark durchgesetzt zu haben, dass eine Fastfoodkette dieses Konzept aufgegriffen und erfolgreich umgesetzt hat. Ich muss zugeben, dass ich anfangs McCafe etwas skeptisch gegenüber trat, denn wer möchte zu seinem Cheeseburger einen Kaffee genießen?Doch der Kaffee ist nicht nur günstig, sondern auch lecker!

    Dieses Phenomen ist auch bekannt als Innovative Crossover Business .. Meinst du, dass Balzac sich auch irgendwann in anderen Bereichen erweitert?

  6. #6 von Andrea am Oktober 19, 2010 - 5:20 pm

    Im ersten Moment würde ich sagen Nein. Vanessa Kullmann hat ja ihren Traum mit Balzac verwirklicht. Auf der anderen Seite war es zu Beginn nicht ihr Plan, mehrere Filialen in Deutschland zu betreiben. Ziele entwickeln sich ja auch mit der Zeit. Von daher würde ich es nicht ausschließen. wie du schon sagst, McDonalds war früher auch eher billig in Bezug auf Einrichtung etc. Inzwischen bieten die McCafés aber schon fast gemütliche CoffeeShop-Atmosphäre.

  7. #7 von Andrea am Oktober 25, 2010 - 4:50 pm

    Mal eine kurze Zwischenmeldung: Bisher gab es leider noch keine Antwort von Balzac Coffee bezüglich der Verwendung von Fair Trade Kaffee.

  1. 1. Woche mit Copycats « German CopyCats

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