Ist Zalando ein Entrepreneur? Und was hätte Zalando von Zappos noch übernehmen sollen…

Nachdem wir uns über die beiden Unternehmen Zappos und Zalando ein kurzes Bild gemacht haben, ist es nun Zeit für eine Betrachtung aus unternehmerischer Sicht. Dabei finde ich es besonders interessant, heraus zu finden, ob denn Zalando, nachdem es sehr erfolgreich einiges von Zappos übernommen hat und ob bei Zalando überhaupt von einem Entrepreneur gesprochen werden kann.

Da wäre beispielsweise die kostenlose Hotline, der kostenlose Versand und auch die kostenlosen Retour (bis zu 100 Tage nach dem Kaufdatum).

Aber ist das wirklich alles, was Zalando den gewünschten Erfolg gebracht hat?

Ich denke: Nein!

Zalando hat unmengen für seine Marketing-Kampagne zur besten Sendezeit im deutschen Fernsehen ausgegeben. Die Werbespots, einen davon hatte ich letzte Woche gepostet, sind dabei garnicht mal so schlecht. Im Gegenteil, sie sprechen die Hauptzielgruppe – Frauen mit einer Vorliebe für Schuhe – direkt an, sind lustig anzusehen und haben dennoch einen hohen Wahrheitsgehalt. Frauen gehen gern shoppen,  und vor allem Schuhe.

Es gibt aber auch andere Online-Schuhshops die ebenfalls einen kostenlosen Versand und kostenlose Retoure anbietet, nur vermarkten sie sich nicht so offensiv wie Zalando es tut.

Nur wo kommt das ganz Geld für die teuren Werbespots zur besten Sendezeit her?

Die Antwort lautet: Investoren!

Im Blog der Gründerszene wird detailiert über die Anteile am Zalando-Unternehmen berichtet. Nach diesen Zahlen ist die Rocket Internet GmbH größter Anteilshaber mit 61%. Die beiden Gründer  und Geschäftsführer Robert Gentz und David Schneider, denen die beiden Limited-Gesellschaften gehören, besitzen jeweils nur 10%. Das ist nicht mehr viel.

In einem aktuelleren Blog aus der Gründeszene haben die beide Gründer sogar nur noch jeweils 5% Anteile.

Nach diesen Informationen frage ich mich: „Kann Zalando denn überhaupt noch als Entrpreneur, wie in Faltin beschreibt, bezeichnet werden?“

Faltin beschreibt einen Entrepreneur als einen Unternehmer, der sich nicht mit den Managementaufgaben, mit der Buchhaltung oder mit den steuerlichen Aspekten beschäftigt. Entrepreneure sind nach Faltins Auffasung nicht etwa Unternehmer, die die Konzepte anderer kopieren und dieses dann mit einem großen Kapitalaufwand an die Spitze bringen, sondern es sind kreative, den Künstlern ähnelnde Unternehmer, die an einer (eigenen) Idee so lang weiter arbeiten, bis sie ein durchdachtes und stabiles Ideenkonzept entwickelt haben, das den Unternehmenserfolg nachhaltig sichert.

Zu den Erfolgsfaktoren eines solchen Ideenkonzeptes, oder wie Faltin es nennt eines „Entrepreneurial designs“zählen vor allem, dass ein klarer Marktvorteil erkennbar ist, dass es einen Vorsprung vor Imitatoren sichert und das es den Finanzierungsaufwand minimieren kann. ..( und weitere).

Zalando präsentiert seine Wettbewerbsvorteile direkt seiner Zielgruppe über die TV-Spots und schafft es somit, sich in das Gedächtnis seiner potenziellen Kunden zu manövrieren.  Einen echten Vorsprung vor Imitatoren will sich Zalando über die unkomplizierte Bestellung und kostenloser Lieferung und seinem überaus riesiegen Angebot von Schuhen und weiteren Produkten sichern. Ohne den großen Kapitalaufwand aber, wäre Zalando nicht in der Lage dies zu erreichen.  Und an dieser Stelle ist es offensichtlich, dass Zalando nach Prof. Faltins Definition wohl eher kein Entrepreneur ist.  Denn Faltin warnt vor einem zu großen Kapitaleinsatz und empfielt ausdrücklich, den Kapitalaufwand so gering wie möglich zu halten. Auch schreibt Faltin, das Menschen in bestimmten Situationen kreativer sind als in anderen. So strengt sich der Mensch in einer finanziell ungünstigeren Situation deutlich mehr an und sucht nach kreativen Lösungen, als wenn das Geld, hier das Kapital für eine Gründung, problemlos verfügbar wäre. Auch die Suche nach viel Kapital lenkt einen Entrepreneur nur vom eigentlichen Ideenkonzept und von der Denkarbeit ab.

Wer ist der Entrepreneur?

Der Entrepreneur ist Zappos, das Original. Zappos hat einen ganz anderen Ansatz und ganz andere Gründe für die Unternehmensgründung gehabt. Wie ich bereits in meinem ersten Blog-Post beschrieben hatte, war es zu der Gründung von Zappos aus einer „Notlage“ heraus gekommen. Der Gründer Zappos war bei der Suche nach einem ganz bestimmten Paar Schuhe in seiner Größe selbst nach langer Suche nicht fündig geworden und hat sich seine eigenen Gedanken zu diesem Problem gemacht. Er hatte anfangs nur eine „Idee“ – Rohmaterial, wie Faltin dies bezeichnet.

Aber Ideen allein machen noch keinen erfolgreichen Entrepreneur. Die Ideen müssen weiter entwickelt werden. Viel Kopfarbeit steckt in einem ausgereiften und gut durchdachten Ideenkonzept.

Zappos’ eigentliche Stärke scheint auch nicht nur von dem großen Angebot an Schuhen und den Möglichkeiten zu kommen, Schuhe kostenlos geliefert zu bekommen, sondern vielmehr darin, dass die Mitarbeiter bei Zappos sehr glückliche und zufriedene Mitarbeiter sind, die originäres Interesse am Unternehmenserfolg zu haben scheinen. Der News-Sender absnews hat in einem Bericht über Zappos auch Mitarbeiter interviewt und man kommt nicht drum herum zu glauben, das die Mitarbeiter wirklich gern bei und für Zappos arbeiten: Hier ein Video von abc news, die den CEO von Zappos, Tony Hsieh, interviewten.

Die Erfolgsfaktoren von Zappos sind dabei ganz andere als vielleicht erwartet:

Davon abgesehen, das Zappos seinen Kunden ein Rückgaberecht von 365 Tagen, also von einem ganzen Jahr anbietet, behandelt Zappos auch seine Mitarbeiter anders als viele Unternehmen.

Hier einige Vorteile, die Zappos Mitarbeiter haben:

  • Das Essen in der Cafeteria / Mensa ist für alle Mitarbeiter umsonst! Auch Snacks aus dem Automaten kosten nichts.
  • Zappos zahlt die Krankenversicherung und Zahnversicherung zu 100% für seine Mitarbeiter
  • Jeder Mitarbeiter wird in einem 4-wöchigen Training im Umgang mit Kunden und Mitarbeiten am telefon geschult, also mit dem Umgang am Telefon
  • Trainees die bei Zappos erfolgreich abgeschlossen haben und eingestellt werden würden, können sich vor der Einstellung entscheiden, ob sie lieber für bis zu 2000 US-Dollar Zappos verlassen wollen. Damit will Zappos erreichen, das nur diejenigen Mitarbeiter bei ihnen bleiben, die dann mit vollem Einsatz und Hingabe für Zappos arbeiten. Nur wenige nehmen das Geld und verlassen Zappos!

Zappos hat eine ganz eigene Unternehmenskultur und Unternehmensziele die so nicht erwartet wurden:

CEO Tony Hsieh hat in einem Interview mit abc news 2008 gesagt, dass es Zappos’ Ziel „the very best customer service and the best customer exprerience“ zu haben und darüber hinaus „the very best company culture“ zu haben. Es geht sogar soweit, dass Zappos-Mitarbeiter aufgefordert werden, mindestens 3 Webseiten der Konkurrenz zu durchsuchen und potenzielle Käufer im Callcenter an die Konkurrenz weiter zu leiten, wenn sie selbst die gesuchten Schuhe nicht vorrätig haben!

Diese Ziele sind genau definiert und klar formuliert. Profit und Marktanteil findet man in der Zielformulierung nicht. Sind aber die direkten Resultate dieser Form von Unternehmensführung.

Die Mitarbeiter werden also geschult, mit respekt behandelt und motiviert. Der CEO Tony Hsieh sitzt zum Beispiel nicht in einem großen Büro mit tollem Ausblick. Nein, er sitzt mitten zwischen den anderen Mitarbeitern im Großraumbüro und verdient weniger als so manch Call-Center-Angestellter!

Das Konzept scheint auf zu gehen:

Die Mitarbeiter sind glücklich, können sich weiterentwickeln und mit dem Unternehmen zusammenwachsen.

Die Kunden haben offensichtlich große Vorteile, wenn sie bei Zappos bestellen und diese erleben sie selbst und sammeln eigene Erfahrungen, ohne dass sie von den Vorteilen andauernd in TV-Spots und durch Internet-Banner erfahren. Diese Form von Marketing ist bekanntlich nachhaltiger und zudem auch noch kostenlos.

Es steckt eine Geschichte und eine Unternehmenspersönlichkeit hinter Zappos die aus dem Online Shop mehr machen als nur einen Schuh-Versender, dessen Kunden zu 75% wieder kehren und erneut bestellen.

Wenn Zalando die wirklich wichtigen Core-Values von Zappos auch übernommen hätte, würden sie sich vielleicht viel Geld für aufwändige Internet- und TV-Werbung sparen können und es gäbe weniger genervte Kunden, die sich von der Werbung „erschlagen“ fühlen, wie bspw. diese beiden Blogger Silke B. und Falk M.


 

Quellen:

„Kopf schlägt Kapital“, Prof. Günter Faltin, 2008 erschienen im Carl Hanser Verlag München, S. 42

http://www.rostock-startups.de/2010/07/13/zappos-vs-zalando/ ; 27.10.2010; 12.30 Uhr

http://abcnews.go.com/Business/story?id=5326827&page=1; 27.10.2010; 12.30 Uhr

http://www.gruenderszene.de/news/finanzierungsrunde-bei-zalando; 27.10.2010; 12.30 Uhr

http://www.gruenderszene.de/datenbank/unternehmen/zalando, 27.10.2010; 12.30 Uhr

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  1. #1 von Andrea am November 1, 2010 - 3:47 pm

    Aber wenn Zalando auch zusätzlich die CoreValues übernommen hätte, dann wären noch mehr Kopierer gewesen, oder? Also, ich meine, nur weil man einen Teil des Konzeptes kopiert und dafür dann auch noch Investoren ins Boot holt, kann man ja trotzdem ein Unternehmer sein. Und ist es meiner Meinung nach auch.

    Klar machen sie extrem viel Werbung. Aber sie tragen ja auch weiterhin das Risiko, oder? Zumindest trugen sie es am Anfang…

  2. #2 von Daniela am November 1, 2010 - 8:03 pm

    Mir ging es darum das „Gute“ am Zappos-Konzept darzustellen und zu verdeutlichen, dass Zalando zwar offiziell als Copycat von Zappos gehandelt wird, es aber ganz angeht als das Original. Zalando hat ganz andere Ziele mit dem Konzept und ich finde es eher traurig, das nur die monetären Ziele übernommen werden, anstelle der wirklich wichtigen und der nachhaltigen Ziele. Die Menschen hinter Zappos sind sehr froh bei Zappos arbeiten zu dürfen und stehen voll und ganz hinter dem Unternehmen. Das Zappos trotz seiner „guten Taten“ seiner Mitarbeiter gegenüber überdimensionale Gewinne einfährt, leugnet keiner, aber den Weg auf dem sie das erreichen imponiert mir stark. Hinter Zalando steckt halt leider irgendwie keine Geschichte. Nur kopiert, mit viel Geld in jeden möglichen Werbechannel gepresst und damit vielleicht noch viele kleine Online-Shops nebenbei ruiniert. Das ist es was Zalando gut macht….

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