Idee + Opportunity = Geschäftsmodell?

Reicht diese einfache Gleichung, um ein erfolgreiches Unternehmen zu gründen? Oder spielen die externen Variablen wie Glück, Schicksal und etwas Gewissenslosigkeit eine Rolle?

Guckt man sich die harte Konkurrenz unter den Start- Ups der letzten Jahre an, kommt einem schnell die Darwin‘sche Evolutionstheorie in den Sinn- natürliche Auslese und „Survival of the Fittest“.

Beispiel Online-Mode- Branche:

Wie schon letzte Woche berichtet, gibt es mittlerweile mehrere Anbieter in Deutschland, die Designer- Handtaschen verleihen, versteigern und in Raten verkaufen. Jeder dieser Anbieter schreit ganz laut „ICH!“ wenn die Frage gestellt wird, woher die Idee zum Geschäftsmodell denn stammt?…


Antwort ist: -natürlich!- aus Amerika.

Jedes einzelne der Unternehmen ist ein Copycat.

Nichts gegen Inspiration, aber bitte auch zugeben, wenn man Konzepte kopiert, und nicht so tun, als wenn man die Weisheit mit Löffeln gegessen hätte!

Paradebeispiel Fashionette:

Sie geben zwar zu, die Idee zum Geschäftsmodell aus „Sex and the City“ kopiert zu haben- jedoch lassen sie ihre deutschen Mitbewerber, die es zum Gründungszeitpunkt von Fashionette 2008 schon gab, völlig außer Acht. Die Firma „Run- Away- Bag“  zum Beispiel gibt es schon seit Anfang 2007 und bietet folgende Leistungen an:

  • Taschen- Verleih
  • Taschen- Finanzierung
  • Taschen- Ersteigerung

Siehe Hier:

Aha!

Hört sich so an, als wäre Run-Away-Bag ein Pionier, zumindest mit der Ersteigerungsidee- die ist nämlich tatsächlich einzigartig in Deutschland bis jetzt!

Die Finanzierung läuft über Valovis Bank AG (vormals Karstadt-Quelle-Bank) und bietet den Kunden attraktive Konditionen.

Jetzt wissen wir also, dass die Aussage von Fashionette, sie wären die ersten, die den Ratenkauf für Handtaschen anbietet, eine glatte Lüge ist.

Ein anderes Thema ist die Weiterentwicklung und Umstrukturierung des Geschäftsmodells, das Fashionette ganz erfolgreich geschafft hat.

Anfangs verliehen sie Taschen, Accessoires und sogar Kleidung. Dann merkten sie, dass der Verleih von Textilien und Schmuck erstens zu risikoreich und zweitens nicht populär genug ist, und schwenkten ausschließlich auf Handtaschen um. Anfang 2010 folgte dann die Übernahme von „Taschenreich“, welches der allererste deutsche Anbieter in diesem Segment war.

Kaum ein paar Wochen später wurde das Geschäftsmodell komplett umgewandelt:

Ab jetzt konnte man nur noch Handtaschen sofort oder auf Raten kaufen, von Verleih ist keine Rede mehr. Zusätzlich gibt es noch ein Outlet- Shop, in dem man die Taschen bis zu 70% billiger bekommt.

Warum der Strategiewechsel?

Im Interview erklärt Fabio Labriola, Mitbegründer von Fashionette, dass diese Flexibilität bezüglich der Vorgaben aus dem Businessplan gerade in der Gründungsphase extrem wichtig ist. Es sei ein „schmaler Grat zwischen nicht verzetteln und flexibel sein“. Trotz einer 9- köpfigen Investoren-Truppe haben sich die Gründer nicht beirren lassen und den Modellwechsel durchgeführt.  Im Nachhinein betrachtet sei die neue Ausrichtung auf Ratenkauf die einzig richtige Entscheidung gewesen, da sie nun erstens zu den wichtigsten Onlineshops im Luxussegment in Deutschland gehören und zweitens mit dem alten Modell sonst Pleite gegangen wären.

Dank einer neuen Finanzspritze im 6-stelligen Bereich von Sirius Venture Partners im Juli 2010 kann das Unternehmen seine Marktposition vermutlich noch ausbauen.

Nun gut. Was die Geschäftsmodellentwicklung angeht, ist Fashionette anscheinend ganz geschickt und kann sich der Schnelligkeit des Internet- Zeitalters anpassen.

Das Gefühl, dass sie sich mit fremden Federn schmücken, wird man trotzdem nicht los.

Kann man überhaupt von einem innovativen Geschäftsmodell sprechen, wenn die Idee kopiert ist?

Meiner Meinung nach nicht!

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  1. #1 von Daniela am November 8, 2010 - 9:56 pm

    Hallo Alice,
    ich denke, dass viele Kundinnen in diesem Beispiel nicht sehr große Nachforschungen anstellen werden um heraus zu finden, wer denn da das erste Unternehmen war, welches mit dieser Art von Dienstleistung begonnen hat.
    Dem Geschäft mit dem Taschenkauf auf Raten wird es wohl nicht schlechter gehen dadurch, dass die Idee von einem anderen Unternehmen aus Übersee kopiert und dann weiter entwickelt wurde.

    Wie du beschreibst, lenken die Investoren das Unternehmen aus gutem Grund, nämlich einem drohenden Bankrott, in eine andere Richtung. Diese neue Richtung schlagen sie ja auf Grund des hohen Risikos ein und Ratenkäufe und ein „normaler“ Onlineshop mit einem gut angenommenen Angebot (Designertaschen auf Raten kaufen) ist ja bis jetzt noch nicht überall populär. Die Unique Selling Proposition haben sie an dieser Stelle erreicht. Obwohl sie nicht die ersten waren.
    Das sich Fashionette mit fremden Federn schmücken lässt das Image bestimmt nicht besser erscheinen, aber so ganz glaub ich nicht, dass sie darunter leiden werden.
    Eine Innovation ist es sicherlich nicht, wenn die Idee kopiert wurde, da hast du vollkommen recht.
    So lange es genug kaufbereite Frauen gibt, die neben ihrem „Schuhtick“ auch noch einen „Taschentick“ haben, wird ein Geschäft wie Fashionette nicht untergehen und genau das scheinen die Investoren auch erkannt zu haben.

  2. #2 von ccalice am November 10, 2010 - 12:46 am

    Ja, das ist schon richtig.
    Es ist doch so: Wenn man bei der Masse ankommen will, muss das Niveau gesenkt werden. Genau das ist passiert- bei vielen Onlineshops! Auch Luxusbabe ist irgendwie ramschig geworden. Die andauernd blinkenden Werbebanner (z.B. von Zalando 😉 ) nerven so extrem dass man gar keine Lust hat, sich dort mehr aufzuhalten!
    Da sind die „edleren“ Shops wie net-a-porter oder mytheresa einfach viel angenehmer und seriöser- auch wenn man dort nciht in Raten kaufen kann.
    Ist doch sowieso Blödsinn mit der Ratenzahlung!

  3. #3 von Andrea am November 10, 2010 - 9:13 am

    Findest du das Blödsinn? Kommt drauf an wie man damit umgeht. Es gibt natürlich Leute, die alles finanzieren auch wenn ich mir nicht erklären kann, wie die das machen. Immerhin wird ja ein Schufa-Check gemacht und wenn man da schon ein paar Finanzierungen hat, dann bekommt man in der Regel keine neue durch. Und das ist nicht abhängig von dem was man verdient.

    Aber es gibt schon Sachen, bei denen es Sinn macht zu finanzieren. Gerade wenn es um 0% Finanziereungen geht. Man merkt es erstens nicht so sehr, wenn jeden Monat 40 Euro weggehen anstelle von 400 Euro auf einmal. Und zweitens spart man ja auch (Inflationsrate, Habenzinsen) – auch wenn’s nicht soo viel ist.

    Ein Handyvertrag mit subventioniertem Handy ist ja letztendlich auch nichts anderes. Du hast ein bisschen Anzahlung und den Rest zahlst du über 24 Monate mittels deiner Handyrechnung..

  4. #4 von ccalice am November 10, 2010 - 12:01 pm

    ja… ich weiss, wir müssen uns unweigerlich langsam dem amerikanischen Stil anpassen- Leben auf Pump. Heutzutage kann man ja echt fast alles finanzieren. Das ist aber nur so, weil die Leute undisziplinierter geworden sind. Theoretisch könntest du dein Geld auch monatlich unter die Matratze stecken und sparen, bis man eine bestimmte Summe zusammen hat und dann eine Anschaffung machen kann. Das macht aber niemand mehr! Die wollen alle durch Knebelverträge und Schufa-Drohung dazu gezwungen werden, jeden Monat Raten zu bezahlen!
    Beim Handy oder beim Auto oder bei Immobilien, da find ich das ok.
    Aber Handtaschen???
    Die Leute, die sich Designertaschen finanzieren lassen sollten lieber mal darüber nachdenken, ob sie nicht über ihre Verhältnisse leben. Und sich gegebenenfalls für ein preiswertes No- Name Produkt in guter Qualität entscheiden!

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