Jamba – schlechten Geschmack teuer verkauft

Was macht ein Arbeitsloser mit 43 Millionen Dollar? Zunächst einmal – sich freuen wie ein Schneekönig! Um anschließend die Frage zu beantworten, wie die neu gewonnene Freizeit am sinnbringensten oder besser gewinnbringensten verwendet werden kann. Mit einer gut gefüllten Kriegskasse, dem gewonnen Erfahrungsschatz und einem Namen, der sich nach dem in der Presse gefeierten Verkauf alandos als Tür- und Toröffner für neue Geschäftskontakte eignen dürfte, dauerte es nicht lange und die Samwerbrüder wurden ihrem Ruf als waschechte Entrepreneure ein weiteres Mal gerecht.

Besser kopiert als die Chinesen – Runde 2: Wurde für das erste Plagiat aus den USA abgekupfert, so reichte der Blick auf das nächste erfolgreiche Vorbild ein gutes Stück weiter bis nach Japan. Die Firma NTT Docomo ist, wenn man ihrem company overview Glauben schenken darf, mit 53 Millionen Kunden (2008)  der führende Mobilfunkanbieter in Japan und hat über das bloße Telefonieren hinaus zusätzliche Dienstleistungen in Form von bunten Bildern, Kurzvideos oder Melodien fürs Handy in ihrem Angebotsrepertoire. Eine Geschäftssparte, die es so in Deutschland noch nicht gibt.

Wer den Film Lost in Translations gesehen hat, der weiß, dass für den  Normaleuropäer schrill und bunt Erscheinendes auf der fernöstlichen Skala wohl eher als trist und grau eingestuft werden dürfte. Und den wundert es auch nicht, dass das Vorbild für die nächste Unternehmung aus Japan stammt. Unter dem Namen Jamba transponieren die Samwers die Spaßsparte  von NTT Docomo auf deutsches Niveau und treffen der Zielgruppe Kinder und Jugendliche damit direkt ins Herz.

Den Rattenfänger von Hameln vom Tron verdrängt: Dem Dorf voll Kindern, das seiner trällernden  Verlockung nicht widerstehen konnte, hätte den Samwerbrüdern wohl nicht einmal ein müdes Lächeln abgerungen. 2000 gegründet brachte die Jamba GmbH die ersten Produkte zum Ende des selben Jahres auf den Markt und hatte bereits acht Wochen Später 300.000 Nutzer (oder sollte man treffender „abhängige Kinder“ sagen?) täglich kamen derzeit 4.000 hinzu und nur ein dreiviertel Jahr dauerte es, bis die Eine-Millionen-Marke gebrochen wurde.

Werfen wir einen Blick auf die Wertschöpfungsarchitektur Jambas. Das Angebot besteht aus Klingeltönen, Bildern und Videos, die aufs Handy geladen werden können. Die Kunden sind hauptsächlich Kinder und Jugendliche (falls vereinzelt Erwachsene bei Jamba gekauft haben, dann dürfte es sich wohl nur um körperlich gealterte Kinder handeln. Jambas Verkaufsschlager Sweety oder der Crazy Frog !NICHT ANKLICKEN! dürften als Beweis hierfür wohl sogar vor Gericht standhaft sein).

Wie erreiche ich meine Kunden? Als Distrbutionkanal fiel die erste Wahl auf TV-Werbung. Vorranging wurde diese auf MTV und VIVA platziert. Der Etat für deutsche Fernsehwerbung im Jahr 2004 übertraf sogar McDonald´s und Beiersdorf mit 90 Millionen Euro und verseuchte regelrecht das Programm. Allein dreieinhalb Stunden am Tag versuchte Jamba den Zuschauern VIVAs das Gehirn zu waschen. 150 Mal Sweety alle 24 Stunden in den verschiedensten Varianten fürs Handy. Der gelbe Plüschball ist nur eines aus insgesamt 50.000 Produkten. Dauerwerbeblöcke von sieben Minuten Länge, bestehend aus 15 verschiedenen Spots führten  nicht nur zu großem Umsatz -der bekloppte Frosch brachte allein 15 Millionen Euro ein- sondern auch zu  Petitionen im Internet, die über 150.000 elektronische Unterschriften gegen den Werbemüll zusammen brachten.

Die Samwers scheinen eine besondere Vorliebe dafür zu haben, mit ihrem extremen Marketing die Massen zu spalten. In „Gutes Marketing – schlechtes Marketing… was hat Zalando vor?“ schreibt Daniela über das jüngste Beispiel einer Samwerwerbestrategie.

Die Zahlen sprechen jedoch für sich, den geschäftlichen Erfolg kann man nicht wegdiskutieren. Im  kommenden Artikel werde ich mehr zur Wertschöpfungsarchitektur schreiben – u.a. zu den Methoden Jambas , wie das Ertragsmodell aussieht und warum es den Samwerbrüdern nicht nur Millionen einbringt sondern auch die Aufforderung, sie anzuspucken.

Autor: Jan

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  1. #1 von Alice am November 24, 2010 - 12:12 am

    Gibt es diese Klingeltonwerbung überhaupt noch? Ich meine, dass das TV Programm damit nicht mehr so verseucht ist wie noch vor ein paar Jahren, oder täusch ich mich da?
    Vielleicht war das ja nur ein Trend, der einen kurzen, steilen Lebenszyklus hatte- ähnlich wie der Tamagotchi. Mittlerweile wäre es glaub ich jedem peinlich, wenn in der Öffentlichkeit das Handy klingelt und so eine nervtötende Melodie gespielt wird…

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