Warum die Amerikaner Pioniere und die Deutschen Nachmacher sind

Ich kann es nicht lassen: Ich muss noch mal auf die Hintergründe der Entstehung von Copy Cats und die kulturellen Aspekte zurückkommen –  diesmal angeregt durch eine Diskussion auf netzwertig.com.

Das Phänomen der „deutschen Copycats“ wird momentan immer öfter in der Öffentlichkeit diskutiert und analysiert- schließlich ist „Copycat“ ein Wort mit negativer Konnotation, mit dem wir eigentlich nichts zu tun haben wollen!

Umso erstaunlicher ist es, dass gerade deutsche Start- Ups häufig Imitationen oder gar Klone von erfolgreichen amerikanischen Geschäftsmodellen sind. Warum ist das so?

Die deutsche Wirtschaft begründet dies so: Geldgeber möchten bestimmte Sicherheiten haben und investieren deshalb am liebsten in deutsche Klone, für die es schon ein proof of concept gibt, am besten sollen die Ur-Gründer aus den USA schon Millionen erwirtschaftet haben.

Wenig Risiko, hoher Ertrag, kurze Lebensdauer- so sieht das Idealkonzept eines deutschen Kapitalgebers aus. Also werden die deutschen Ideendiebe mit Kusshand begrüßt, während diejenigen, die neue, innovative Ansätze verfolgen, aufgrund von mangelnden Sicherheiten auf der Strecke bleiben- ohne Geld läuft nun mal nix.

Anders hingegen in den USA:

Zitat:
„In den USA herrscht die Meinung vor,
dass die meisten Menschen selbst für ihr
wirtschaftliches Wohlergehen verantwortlich
sind und dass sie sich selbst darum
kümmern müssen. Und deshalb ist
es kein großer Akt, ein Unternehmen zu
eröffnen. Es ist auch kein großer Akt, es
wieder zu schließen. Unternehmer zu
sein ist nur eine Karriereoption. […] Jeder
glaubt (in Amerika) zu wissen, was
einen Unternehmer ausmacht. Wenn du
es nicht weißt, kannst du mit einem
Freund darüber reden, oder du kannst
deine Mutter fragen. Sie wird antworten:
,Also, Onkel Harry hat doch ein Unternehmen.
Geh doch zu ihm. Der weiß, wie
man an einen Kredit von der Bank
kommt. Der wird dir weiterhelfen.‘
Wenn das funktioniert, gut. Jeder wird
sich freuen, man kann sich weiterhin bei
den Weihnachtsfeiern sehen lassen, und
man spricht noch mit dir. Wenn es nicht
klappt, auch gut. Dann wird dir jemand
auf der Weihnachtsfeier den Tipp geben:
,Weißt du, ich kenne hier auf der Party jemanden,
der sucht Leute mit deinen
Qualifikationen. Der verschafft dir sicher
einen Job.‘
Es ist bemerkenswert: Unternehmer
zu sein ist in Amerika nichts Besonderes,
sondern ganz normaler Bestandteil des
Lebens.“ (Paul Reynolds, London Business
School/Babson College, 4. September
2003, in seinem Redebeitrag anlässlich
der deutsch-amerikanischen Konferenz
„Local Heroes in the Global
Village“ in Erfurt, übersetzt von Heike
Grimm.)

Anhand dieses kurzen Einblicks in die typisch amerikanische Denkweise ist zu erkennen, dass Entrepreneurship und Innovation vielleicht ein Stückweit Mentalitätsfrage sind. In Amerika, dem Land des Aufbruchs und des Fortschritts, wurden Innovation und Erfindung jeher gefeiert und gewürdigt, Fehlversuche geduldet und den Entwicklern das passende Umfeld für ihr kreatives Schaffen geboten.

Noch heute ist es doch so, dass die ausschlagegebenden Trends aus den USA kommen, auch wenn viele Produkte „Made in China“ sind.

Bezogen auf die Modebranche kann ebenfalls die Pionierrolle der Amerikaner unterstrichen werden: Trotz der Fashionmetropole Paris, trotz Milano und London- wer in Amerika als Designer keinen Fuß fassen kann, fährt im internationalen Terrain auf Glatteis. Es gibt spezielle PR-Agenturen, die sich darum bemühen, europäische Modelabels in den USA bekannt zu machen- wie beispielsweise die deutsche Marketing Spezialistin Karla Otto, die eine der einflussreichsten in ihrem Gebiet ist und schon vielen Labels zum internationalen Durchbruch verholfen hat- man denke an die italienische Marke Marni, die erst wieder seit Shows bei der New Yorker Fashion Week schwarze Zahlen schreiben konnte.

Die amerikanische Vogue hat außerdem die „mächtigste Frau der Welt“ als Chefredakteurin- Anna Wintour. In Bezug auf Mode mag das stimmen, es gibt kein Gebiet, das nicht unter Wintours Kontrolle ist. Marc Jacobs sagte einst: „Anna ernährt uns alle.“

Sie ist es, die der restlichen Welt diktiert, was wir morgen tragen werden, welche Designer die futuristischsten Visionen haben und welche Accessoires in Zukunft Must-Haves sein werden. Außerhalb der Modebranche wurde Wintour durch den Film „Der Teufel trägt Prada“ bekannt, eine bissig- humorvolle Komödie über den Alltag beim wichtigsten Modemagazin der Welt.

Verglichen mit dieser Vormachtstellung, mit diesem kreativen Output und dieser pulsierenden Schnelligkeit kann die deutsche Mode nicht mithalten. Wir brauchen ein bis anderthalb Jahre, um die Trends aus Amerika zu implementieren bzw. tragen dann Sachen von europäischen Designern, welche die amerikanischen Vorbilder kopiert haben. Warum auch selbst innovativ sein? Ist doch viel sicherer so! Das sagen sich die meisten Deutschen- denn eine ganze Schar  von Hollywoodstars hat ja laut „In Touch“ Skinny Jeans an- da muss doch was dran sein! Also schnell zu Zara, dem schlimmsten Copy Cat der gesamten Modebranche…

Dies heißt natürlich nicht, dass deutsche Designer keine Kreativität besitzen und nur von anderen abkupfern. Fakt ist jedoch, dass deren Designs entweder stark von amerikanischen Kollektionen inspiriert sind, oder aber, dass die erfolgreichen unter ihnen in die USA übersiedeln, da sie dort mehr Spielraum haben und auf einen toleranteren Markt treffen.

Das Problem bleibt: Wer in Deutschland gründen will, und das ohne zu kopieren, der hat es schwer. Die Ressourcen sind knapp, die Behördengänge lang. Wenn dieses Grundgerüst nicht verändert wird, kann die Bundesregierung noch so oft fordern:“Wir brauchen mehr Innovation!“- die Entrepreneur- Elite wird dennoch in den wilden Westen auswandern.

Welche Lösungsansätze wären hier angebracht? Wie kann das einst so geistreiche Deutschland, das Land der „Dichter, Denker und Komponisten“, seinen kreativen Köpfen ein motivierendes, unterstützendes Umfeld bieten?

 

 

Quellen

http://www.tudou.com/programs/view/bn-uZWnRkXw/

http://www.welt.de/lifestyle/article4431511/Anna-Wintour-Der-Teufel-ist-ein-Arbeitstier.html

http://www.kas.de/wf/de/35.132/

http://netzwertig.com/2010/11/02/startups-warum-es-zeit-ist-den-copycat-begriff-zu-hinterfragen/

 

Advertisements

, , , , ,

  1. #1 von Andrea am November 27, 2010 - 10:09 am

    In Amerika, dem Land des Aufbruchs und des Fortschritts, wurden Innovation und Erfindung jeher gefeiert und gewürdigt, Fehlversuche geduldet und den Entwicklern das passende Umfeld für ihr kreatives Schaffen geboten.

    Ist das wirklich so? Deutschland ist ein Gründerland. Seit je her. Im späten 19. Jahrhundert kam so ziemlich alles, was neu war aus dem deutschen Kaiserreich. Maschinen, Chemie und auch sowas wie Arbeitsschutz. (Vgl. auch aktuelle Ausgabe von ZEIT Geschichte)

    In vielen Bereichen sind wir immer noch Vorreiter. Die Frage ist natürlich inwiefern NEUE Unternehmen eine Chance haben mit eigenen Ideen Fuß zu fassen. Aber ich denke, es finden sich immer Beispiele, die das belegen (mymüsli, smartfiber – haben den deutschen Innovationspreis für ein umweltfreundliches Auflösungsverfahren von Cellulosefasern bekommen).

    Dass wir nicht in den „coolen“ Bereichen innovativ sind, heißt doch nicht gleichzeitig, dass wir nicht innovativ sind oder das nicht gefördert wird. Wir sind in vielen Bereichen Weltmarktführer und das nicht ohne Grund. Dahinter stehen natürlich oft große Unternehmen, weil die halt in die Forschung investieren. Aber auch kleine Unternehmen tauchen immer wieder mit neuen innovativen Ideen auf, die es in den USA noch nicht gab.

    Der Grund dafür ist, denke ich, dass wir in vielen Dingen weiter und ausgereifter sind, als Amerika. Insbesondere was den Umwelt- und Klimaschutz angeht. Soetwas wird hier gefördert. In Amerika mag es zudem eine Kultur von Startups geben. Hier sind es aber große Unternehmen, die forschen, Ideen und Innovationen entwickeln – und das oft in Kooperation mit anderen großen und kleinen, auch nicht-deutschen, Firmen.

    Dazu kommt sicher auch, dass wir hier keine Hire-and-Fire-Kultur haben. Für viele ist es angenehmer, einen festen Job und damit Sicherheiten zu haben. In den USA ist die Gründerkultur auch deshalb so stark ausgeprägt, weil die Leute nichts zu verlieren haben. Der Ansporn etwas eigenes auf die Beine zu stellen ist höher. In Deutschland ist es sicherer in ein Arbeitsverhältnis zu gehen. Gerade auch aus Aspekten wie Rentenversicherung, Urlaubsanspruch und dem Schutz bei Krankheit. Diese Sicherheiten gibt es in Übersee so nicht.

  2. #2 von Alice am November 28, 2010 - 9:48 am

    Ja, es stimmt dass Deutschland gerede in frueheren zeiten ein Gründerland war. Ich habe das im letzten Absatz ja auch erwähnt.
    Nichtsdestotrotz bietet Amerika heutzutage kreativen Menschen bessere Möglichkeiten, ihre Ideen umzusetzen, auch wenn es keine Erfahrungswerte und Sicherheiten gibt.
    Das ist in Deutschland nicht so. Wer schon mal versucht hat, mit einer Start-up Idee einen Kapitalgeber zu finden, weiss das dies eigentlich nur mit guten Kontakten klappt- oder man kopiert halt erfolgreiche Geschaeftsmodelle…
    Klar, die Deutschen schreiben Umweltschutz und Nachhaltigkeit größer,das haben die Amis sicher noch einiges aufzuholen.

    Was ist mit dem Artikel eigentlich nur zum Ausdruck bringen wollte ist, dass viele Deutsche gar nicht mehr Innovationen entwickeln, weil die Aussichten eh ziemlich grau sind. Die auf Sicherheit abzielende Haltung der deutschen Kapitalgeber lähmt die Kreativität und den Pioniergeist unserer Entrepreneure, was einfach schade ist!

  3. #3 von Andrea am November 28, 2010 - 11:31 am

    Dass das Umfeld für Startups in den USA freundlicher und sicher auch drängender ist, will ich gar nicht abstreiten. Ich meine nur, dass man das nicht pauschalisieren kann.

    Von staatlicher Seite gibt es Deutschland viele Initiativen, die Startups unter die Arme greifen wie dieser WiWo-Artikel ganz gut aufzeigt.

    Vielleicht ist es in den USA leichter über Investoren an Kapital zu kommen. Banken sind inzwischen sicher auch in den USA knauseriger geworden mit Kleinkrediten. Obama fordert sie ja auch auf Kredite an Kleinunternehmer zu vergeben.

    Ich finde es auch schwierig CopyCats so negativ zu betrachten. Viele Ideen, die hier kopiert werden, stammen im Original auch nicht von denen, die damit Millionen Umsätze machen. Zuckerberg hat nicht das erste Social Network gegründet und Zappos nicht den ersten Schuhversand. Keine Idee ist wirklich neu. Die erfolgreichen Unternehmen haben sie einfach nur verbessert, hatten sicher auch Glück und ein gutes Händchen und Timing. Deswegen sind aber nicht besser als deutsche Kopierer, die ebenfalls das Konzept nicht 1 zu 1 übernehmen.

  4. #4 von Jan am November 28, 2010 - 2:12 pm

    Der deutsche Pioniergeist schlägt zurück!

    Hier sind Beispiele für deutsche Vorbilder, die in den USA Nachahmer gefunden haben.

    Gesundes zum Frühsück im Land der Burgerfresser: „USA kopiert deutsche Trend-Idee: Mymuesli“ (http://www.existxchange.de/blog/web-20/usa-kopiert-deutsche-trend-idee-mymuesli/)

    Der Ideen-Dieb Alan Wolan wird dank deutschem Vorbild wohlhabend in den USA: „Werbe-Ideen für Amerika – abgekupfert in Berlin“ (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,279995,00.html)

    „Cash for Clunkers“ – Obama goes Angie: Deutsches Erfolgsmodell soll auch die amerikanische Autoindustrie auf Touren bringen. http://www.welt.de/die-welt/article3903071/USA-kopieren-jetzt-die-deutsche-Abwrackpraemie.html

    Und hier noch 22 Beispiele für Startup-Ideen, die ohne amerikanisches Vorbild auskommen – Basic Flashback: 22 clevere Startup-Ideen aus deutsch(sprachig)en Landen (http://www.basicthinking.de/blog/2010/10/31/basic-flashback-22-clevere-startup-ideen-aus-deutschsprachigen-landen/)

    Zugegeben, die USA sind Trendsetter in vielen Belangen.

  5. #5 von Alice am November 29, 2010 - 9:59 am

    …und mindestens dreimal so viele Beispiele umgekehrt!

    http://dickbert.wordpress.com/2007/05/23/german-copycats/

    Übrigens: das ist hier keine Diskussion von wegen „Amerikaner sind besser als Deutsch“, sondern lediglich die Feststellung, dass es Gründer in den USA leichter haben, ihre Innovationen zu verwirklichen!

  6. #6 von Andrea am November 29, 2010 - 10:15 am

    Die haben aber auch dreimal so viele Einwohner 😛

  7. #7 von Daniela am November 29, 2010 - 8:51 pm

    Ich muss mich bei dieser Diskussion an die Vorlesung letzte Woche bei Dr. Pohland erinnern. Er hatte doch von Obama erzählt, der den Exportüberschuss Deutschlands eindämmen möchte in dem er Einfuhrbeschränkungen festlegt. Die Diskussion in der Vorlesung gelang zu folgendem Ergebnis: Deutschland führt mehr Produkte in die USA aus, weil sie die nicht selbst herstellen, bzw. nicht die selben Produkte haben. Deutschland ist in vielen Bereichen, wie bspw. in der sog. „weißen Ware“, wie Waschmaschinen und Kühlschränke innovativer als die USA, die laut Dr. Pohland

    Technik aus den 50er Jahren in ihren Kühlschränken verbauen.

    Die USA produziert nichts was den Exportüberschuss Deutschlands ausgleichen könnte, weil einfach kein Bedarf besteht. Die innovativeren und oftmals besseren Produkte kommen aus Deutschland…

    Copycat hin oder her, in den USA gelten andere Voraussetzungen und dort gibt es auch kein soziales Netz. Die Menschen denken und leben anders als wir und etwas Eigenes auf die Beine zu stellen scheint in den USA einfacher zu sein als hierzulande. In Deutschland sind aber auch viele gern fest angestellt und wissen die damit verbundenen Sicherheiten zu schätzen.. trifft auch nicht auf alle zu, aber auf die meisten.

  8. #8 von Warrior_Rashid am Dezember 2, 2010 - 8:51 pm

    Martin Fröhlich von PaperC hat in seinem Vortrag bei uns an der HWR gezeigt, wie man sich auch als deutsches, innovatives StartUp durchsetzen kann. Für die Geschäftsidee gab es auch kein proof of concept. Martin ist einer von uns, er hat auch an der HWR studiert. Die Frage lautet also: Warum hat er es geschafft und seine Kommilitonen nicht?

    Herr Ripsas sagte, er hätte Investoren überzeugt, da man ihm anmerken würde, dass er auch wirklich hinter seiner Idee steht und es ernst meint.
    Wer heute gründen möchte, benötigt kein Geld oder muss in den Staaten leben.

    Als Entrepreneur muss man bereit sein zu kämpfen und an sich glauben. In unserer letzten LV haben wir gelernt, dass die erste Gründung meist in die Hose geht. Doch wer glaubt, der weiss, dass es für jede Niederlage zwei Siege gibt.

    Und um ehrlich zu sein, bin ich wirklich froh, dass es auch beim Gründen schon mit den „Markteintrittsbarrieren“ beginnt. Wie sagt man so schön: Wenn es so einfach wäre, würde es ja jeder tun.

  1. Unternehmen und ihre Internetpräsenzen « German CopyCats

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: