Woran scheiterte das Samwer StartUp Beautydeal?

Und wieder ist den Samwers ein Meisterstück gelungen. Die Geschichte wiederholt sich, denn was Ihnen schon bei ihre ebay Kopie alando und bei dem Facebook Plagiat StudiVz geglückt ist, hat auch bei CityDeal zum Erfolg geführt. Die Internetplattform Groupon aus den USA wurde kopiert und kürzester Zeit zum erfolgreichen Exit geführt, indem Citydeal nach nur einem halben Jahr für einen zweistelligen Millionenbetrag durch das US-Vorbild übernommen wurde.

Doch auch die Samwer produzieren nicht nur erfolgreiche Unternehmen. Bevor sie mit CityDeal im Dezember 2009 an den Start gingen, versuchten sie sich bereits mit einem anderen Unternehmen im Live-Shoppingsegment und…scheiterten.

Am Beispiel von Beautydeal lässt sich veranschaulichen, dass es eben nicht nur darauf ankommt ein Geschäftsmodell zu kreieren, welches einen neuen Kundennutzen generiert und dass die Erfahrung eines Serial Entrepreneur nicht zwangsläufig ein Erfolgsgarant ist.

Im Juli 2009 gingen die Samwers mit einem erfolgsversprechenden Konzept an den Start. Der Online-Shop Beautydeal konnte aufgrund günstiger Einkaufkonditionen Markenprodukte aus dem Bereich Parfüm und Kosmetik zu einem Preis anbieten, der bis zu 20% unter der unverbindlichen Preisempfehlung lag. Dies konnte gewährleistet werden, indem ein günstiger Lieferant gefunden und die hohen Margen, die auf Pflegeprodukte entfallen, zum Teil an den Kunden weitergegeben wurden.

Alles sah danach aus als hätten die Samwers ihren nächsten Coup gelandet. So konnte das Portal  nach unternehmensinternen Angaben bereits zu Beginn einen Umsatz von sechs bis sieben Tausend Euro pro Tag generieren.

Größter Investor neben dem Inkubator der Samwers Rocket Internet (61%) war DuMont Venture. Jörg Binnenbrücker, Geschäftsführer und Managing Director von DuMont Venture, äußerte sich wie folgt zum Investment seines Unternehmens: “Wir halten den Markt für Parfüms, Cremes und Pflegeartikel einfach für superspannend, da nahezu jeder Bundesbürger ab 16 Jahren als Zielgruppe in Frage kommt und das Produkt auch ziemlich krisensicher ist. Und das Geschäftsmodell macht absolut Sinn, weil man mit Discountpreisen und einem Transaktionsansatz effektiv gegenüber etablierten Playern agieren kann”. Ein Argument, welches durchaus für diesen Geschäftsmodell spricht. Der größte Anbieter dieses Segmentes ist Douglas, doch diese sind an ihre unverbindliche Preisempfehlung gebunden und somit sichert sich Beautydeal einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil.

Doch wenn so viele Punkte für dieses Konzept sprechen, woran kann es dann gescheitet sein?

Bereits Ende Oktober wurden Gerüchte laut wonach die Onlineplattform Beautydeal heruntergefahren und eingestellt werden sollte, unklar waren jedoch die Ursachen, die zu diesem Scheitern geführt haben könnten. Kurze Zeit später folgte ein Bericht der Gründerszene, der auch diesen Punkt näher beleuchtete.

Der eigene Erfolg war Ihnen zum Verhängnis geworden, denn aufgrund des rasanten Wachstums der Plattform, waren die Markenhersteller dieser Kosmetikartikel auf Beautydeal aufmerksam geworden und wollten zur Sicherung der eigenen Distributionspolitik eine weitere Verbreitung vermeiden. Die Markenhersteller haben aufgrund der von Ihnen praktizierten Hochpreisstrategie, die anstelle des Preises Qualität und Image zur Differenzierung vom Wettbewerb in den Vordergrund stellt, kein Interesse daran, dass ihre Produktpalette zu Dumpingpreisen vertrieben wird. Beautydeal hatte auf einen einzigen Lieferanten und starke Preisnachlässe gesetzt, doch zahlreiche dieser Markenhersteller zwangen den Händler, seine Zusammenarbeit mit Beautydeal einzustellen, anderenfalls gäbe es keine Waren mehr. Da für den Händler eine Abhängigkeit zu diesen Markenherstellern bestand und  eine solche Ausdünnung seiner Produktpalette zu einem erheblichen Wettbewerbsnachteil geführt hätte, fügte er sich diesem Druck.

Die Wertschöpfungsarchitektur eines vielversprechenden Unternehmens ist also vorrangig an der Wahl der Partner gescheitert. Dieses Beispiel zeigt, dass auch die Wahl der Partner einen entscheidenden Beitrag zum Erfolg eines Unternehmens beitragen kann. Unklar ist allerdings, ob eine Diversifikation der Lieferanten das Scheitern dieses Konzeptes hätte verhindern können.

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  1. #1 von Jan am November 28, 2010 - 1:12 pm

    Hi Maria,

    interessant auch mal einen Bericht über einen Misserfolg der Startup-Helden zu hören. Dass das bloße Mitwirken der drei nicht zwangsläufig zum Erfolg führen muss, liegt auf der Hand. Der Weg auf dem sie aus dem Geschäft gedrängt wurden ist jedoch nicht ganz alltäglich. Normalerweise hört man ja eher davon, dass die Konkurrenz einem anderen Unternehmen die Kunden abspenstig macht über den Preis, die Qualität oder sonst eine Differenzierung. Aus dem Markt zu fliegen, weil die Hersteller der vertriebenen Produkte einem selbst den Nachschub abdrehen, ist schon bitter…

  2. #2 von maria am November 28, 2010 - 9:41 pm

    Ich fand es auch sehr interessant, gerade weil das Geschäftsmodell als solches eigentlich ganz vielversprechend war. Die Frage ist allerdings, ob es nicht vorhersehbar gewesen wäre, dass in einem Segment, in dem sich Marken sehr genau absprechen, sehr riskant ist, gearade wenn man sich auf einen einzigen Leferanten verlässt.

  3. #3 von Daniela am November 29, 2010 - 8:41 pm

    Hallo Maria,
    ich bin ehrlich gesagt ein wenig erleichtert, zu lesen, das auch solchen Überfliegern wie den Samwer Brüdern nicht immer und ewig alles gelingt was sie anfassen. Das soll nicht falsch verstanden werden, aber ich finde es ein wenig beängstigend, wenn wir in diesem Kurs mit den Copycats beschäftigen und ihre Namen des öfteren auftauchen. Es ist klug von den Herstellern der Markenparfüms etc. sich zusammen gegen Dumpingpreise zur Wehr zu setzen und nicht von einem Copycat in ein niedriges Preisniveau hinein drücken zu lassen. Parfüms sind nunmal Luxuswaren und gehören nicht auf die Rabatt-Liste. Ich habe da schon irgendwie Verständnis für die Hersteller und kann ihr Handeln nachvollziehen.
    Vielen Dank für deinen Artikel

  4. #4 von Andrea am November 30, 2010 - 9:55 am

    Das sieht man ja auch bei Marken wie zum Beispiel Fila, Kappa und alle anderen, die man bei Real und Co. zu kaufen bekommt. Klar sind das jetzt nicht die krassen Marken, aber zumindest sind es Marken, die ihren Preis haben.

    Seitdem man sie aber für einen Bruchteil bei den Discountern zu kaufen bekommt, haben sie zumindest für mich jeden Reiz verloren und sind die in die Kategorie billig abgerutscht.

  5. #5 von maria am November 30, 2010 - 5:50 pm

    Andrea ich sehe das genauso wie du. Marken können praktisch nur über ihr Image den höheren Preis gegenüber Konkurrenzprodukten rechtfertigen, wenn sie auf einmal zu Discountpreisen für jeden zugänglich sind, was macht dann noch den Reiz der Marke aus? Und was sollte mich animieren irgendwann noch einmal einen höheren Preis dafür zu zahlen? Hinzu kommt ja, dass das Image einer Marke auch stark von den Menschen abhängt, die diese repräsentieren und dieses Image nimmt durch solche Verkaufsaktionen langfristig Schaden. Ich denke aber gerade diese benannten Marken werden neben Adidas und Nike sowieso nicht mehr als „die Marken“ wahrgenommen und somit ist es wohl das kleinere Übel einen Imageverlust hinzunehmen, als auf diesen Umsatz verzichten zu müssen. Somit ist es für mich nur ein Ausdruck dafür, dass die Verkaufszahlen des Unternehmens nicht stimmen und es diesem wirtschaftlich nicht allzu gut geht.

  6. #6 von Alice am November 30, 2010 - 6:37 pm

    Mit fällt dazu noch ein berühmtes Beispiel aus den letzten Jahren ein:
    Ed Hardy.
    Als Madonna anfing, die Tattoo- Shirts zu tragen, kam der Trend schnell aus den USA rübergeschwappt, und nur wenige Läden verkauften die heiß begehrte und ziemlich teure Ware.
    Dann hatte es irgendwann jeder an, der „cool“ war, und bald war es dann nicht mehr „in“- denn alles ,was dem Geschmack der Masse entspricht, ist schlagartig nicht mehr en vogue.
    Nun musste Ed Hardy aber die riesigen Lagerbestände irgendwie loswerden- schließlich wurde aufgrund der explodierten Nachfrage zunächst wie verrückt produziert!
    Anfangs fand man die Produkte in Outlet Shops, zuletzt sah ich Ed-Hardy Schreibblöcke bei Netto Markendiscount.
    Ein extremer Wandel- vom Celebrity-must-have zur Discount-Ramschware!

    Quellen:
    http://www.blogspan.net/presse/penny-starke-marken-zum-niedrigsten-preis/mitteilung/131477/
    http://community.gq-magazin.de/forum/viewtopic.php?f=3&t=9330

  7. #7 von SvenRipsas am Dezember 1, 2010 - 3:27 pm

    sehr spannend – ich schließe mich den lobenden Worten der Kommentatioren an. Fast genauso wünschen wir uns die Diskussion – vielleicht könnte noch etwas mehr Bezüge zu den theoretischen Konzepten der LVs hergestellt werden. Sonst: klasse!

  1. Wie aus Beautydeal CityDeal wurde « German CopyCats

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