Wie aus Beautydeal CityDeal wurde

Letzte Woche berichtete ich über die kurze Unternehmensgeschichte von Beautydeal, welche ein jähes Ende fand, nachdem der Hauptlieferant des Live-Shopping-Portals auf Druck der Markenhersteller weggefallen war. Der Presse gegenüber wurde zwar vorerst von einer Pause gesprochen, doch wie ging es wirklich weiter mit Beautydeal und seinem Gründerteam? Kann man durch einen Relaunch aus einem Misserfolg noch einen Erfolg machen?

Die Samwers können genau das, indem sie die Vorsilbe ändern und mit etwas verändertem Konzept in die nächste Runde gehen. Dieses Konzept entspring natürlich nicht der eigenen Feder, sondern wurde eins zu eins vom amerikanischen Vorbild Groupon übernommen. Ähnlich wie auch schon bei Beautydeal setzt man auf die Bündelung von Kaufkraft, um den Konsumenten die Produkte mit hohen Rabatten anbieten zu können.  Einzig die Produktpalette veränderte sich mit dieser Umfirmierung, als die Kosmetikartikel lokalen Freizeitangeboten weichen mussten.

So wurde aus Beautydeal kurzerhand MyCityDeal und sogar das Gründerteam blieb das gleiche, als MyCityDeal im Dezember 2009 an den Start ging.  Neben Sebastian Jost und Albert Schwarzmeier , die bereits Gründer und Geschäftsführer von Beautydeal waren, mischte auch schon Ronny Lange, der dritte Geschäftsführer, bei Beautydeal als Marketingverantwortlicher mit. Doch schon in den ersten Finanzierungsrunden wurden die Karten neu gemischt und das Gründerteam musste weichen, als Oliver Samwer und Ardt Jeschke selbst das Ruder übernahmen. Laut Aussage der ausgeschiedenen Geschäftsführer trennte man sich im gegenseitigen Einvernehmen, da man sich über die strategische Ausrichtung des Unternehmens nicht einig war. Einzig Ronny Lange verblieb im Unternehmen, gab allerdings seinen Geschäftsführertitel ab.

In sehr schnellen Finanzierungsrunden kamen zunächst Holtzbrinck und Ottos eVenture Partners und später dann Kinnevik an Bord. Dieses Kapital wurde vorrangig für Marketing- und Expansionsaktivitäten genutzt. So wurde CityDeal schnell die Nummer eins unter den Groupon Klonen und Rocket Internet baute parallel zu CityDeal Deutschland auch verschiedene andere Standorte in Europa auf. Dieses schnelle Wachstum beeindruckte auch Andrew Mason und war einer der Gründe, warum er sich entschied für die Expansion von Groupon nach Europa lieber den erfolgreichsten Klon zu übernehmen, anstatt selbst Auslandsstandorte aufzubauen. Für einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag ging Citydeal am 16. Mai 2010 in den Besitz von Groupon über.

Damit ist die eigentliche Unternehmensgeschichte von CityDeal ähnlich kurz wie die vom Vorgänger Beautydeal, doch während Beautydeal nach nur wenigen Monaten Geschäftstätigkeit eingestampft wurde, konnte CityDeal  nach nicht einmal einem halben Jahr einen erfolgreichen Exit verzeichnen.

Doch welchen entscheidenden Unterschied gab es zwischen diesen zwei Samwer StartUps, dass die Unternehmensgeschichte einen derart anderen Verlauf nahm? Ursächlich für das Scheitern von Beautydeal war die Partnerwahl, es wurde auf einen einzigen Lieferanten und eine einzige Produktgruppe gesetzt und im gleichen Atemzug die Marktmacht der Markenhersteller der vertrieben Produkte unterschätzt. Im Rahmen der sieben entscheidenden Ursachen von Unternehmenspleiten, dürfte dieser Fall wohl hauptsächlich auf Informationsdefizite zurückzuführen sein.

Ausgehend davon wurde die Wertschöpfungsarchitektur von Citydeal komplett anders aufgebaut. Die verschiedenen zumeist lokalen Partner sind interessiert daran, dass ihr Produkt auf diesem Onlineportal angeboten wurde, um neue Marketingkanäle zu nutzen und den Umsatz sowie den Bekanntheitsgrad zu steigern. Zum anderen bieten die angebotenen Freizeitaktivitäten ein sehr weites Spektrum, welches zum einen eine breitere Zielgruppe anspricht und zum anderen den Nerv der Zeit trifft. Vielleicht ist auch gerade Zeit der ausschlaggebende Punkt und der Unternehmenserfolg von CityDeal ist darauf zurückzuführen, dass die Samwers mit diesem StartUp einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren.

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  1. #1 von Jan am Dezember 6, 2010 - 8:48 am

    Hi Maria,
    zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein ist eine gute Voraussetzung, um Erfolg zu haben. Du schreibst über eine Finanzierungsrunde, in der CityDeal 10 Millionen Euro eingesammelt hat und das die Samwers die Wertschöpfungsarchitektur maßgeblich verändert hatten. Wurde wie bei Zalando oder Jamba mit dem neu gewonnenen Geld auch wieder auf eine massive Werbekampagne gesetzt?

  1. Die 7. Woche bei den Copycats « German CopyCats

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