Segen oder Fluch? Das Zara- Copycat Konzept

Auf der einen Seite sorgen sie mit ihren eins- zu- eins- Kopien dafür, dass Prét á Porter auch für die Masse zugänglich ist-

Auf der anderen Seite erzürnt dieser Ideenraub die Designer, deren kreatives Gedankengut rücksichtslos kopiert wird.

Doch Zara hat einen unglaublichen internationalen Erfolg und ist aus den europäischen Shoppingcentern kaum mehr wegzudenken.

Wie ist das allgemein in der Modebranche? Wie kommt es, dass viele Designer dieselben Tendenzen in einer Saison zeigen, woraus erst die eigentlichen Trends entstehen, die dann durch die Medien an die Öffentlichkeit kommuniziert werden? Über dieses große Geheimnis wird nicht umsonst penibel geschwiegen. Insider der Modedesignbranche wissen aber, dass es regelmäßige Berührungspunkte innerhalb der internationalen Modewelt gibt. Beispielsweise die großen Stoffmessen, bei denen Vertreter jedes Modelabels anwesend sind und wo die Stoff-Trends für die übernächsten Saisons festgelegt werden. Hinzu kommt, dass man in der Mode, wie in anderen Branchen sicherlich ebenfalls, untereinander „bekannt“ ist, und sich natürlich auch austauscht, Konkurrenz hin oder her. Auf den unzähligen Veranstaltungen, Festen, Launches, Shoperöffnungen, Galas und Dinners laufen sich die Stellvertreter der Firmen immer wieder über den Weg, es entstehen Sympathien, Allianzen und Dissonanzen. Auch wenn dies nach außen hin nie wirklich ersichtlich wird, werfen sich die Designer untereinander immer wieder vor, dass ein anderer in der gleichen oder folgenden Saison kopiert hätte- das gleiche Spiel also wie in allen anderen Branchen- und die Frage: Wer hatte die Idee zuerst?

Bezüglich Zara sind sich jedoch alle einig: Es grenzt an Unverschämtheit, sich an der monatelangen nervenzerreißenden Arbeit Anderer zu bedienen, zumal Zara die Kleidungsstücke mit qualitativ minderwertigem Material herstellen lässt, um zum einen die Gewinnspanne möglichst hoch zu halten und zum anderen die Zielgruppe „Masse“ anzusprechen.

Betrachtet man die Angelegenheit einmal aus der Kundenperspektive, liegt das Problem am anderen Ufer: Wie kommt es denn überhaupt, dass Discount- Modeketten wie Zara, H&M und Co so erfolgreich werden konnten? Weil sie ansprechende Kleidung zu realistischen Preisen anbieten! Dieser Realismus ist manchen Modefirmen komplett entfallen. Verfechter von Qualität mögen einwenden, dass eine bestimmte Güte von Produkten ihren Preis hat und dass die Kleidungsstücke nicht in Dritte Welt Ländern von Minderjährigen angefertigt werden, wie es Zara und Co vorgeworfen wird. Diese Ansicht mag teilweise zutreffen, dennoch sollte es auch dem passioniertesten Qualitätsliebhaber ein Rätsel sein, warum eine Jeans von Balmain 1500 Euro, ein Kleid von J.Mendel 6000 Euro und eine Ledertaschen von Hermès 5000 Euro kostet. Diese utopischen Preise lassen sich nicht mehr durch Qualität, hochwertiges Material oder Handarbeit rechtfertigen, sondern sind allein durch den Prestigeeffekt zu erklären. Ein sehr kleiner Prozentsatz der Weltbevölkerung verfügt über eine große  Liquidität und hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese zweifelhafte Vormachtstellung durch den Erwerb überteuerter Produkte zum Ausdruck zu bringen. Schönheit des Designs oder persönlicher Geschmack ist bei der Auswahl dieser Luxusgüter zweitrangig, was zählt ist der Preis und der Eindruck, der hinterlassen wird.

Keine Frage, qualitativ hochwertige Produkte müssen entsprechend hochpreisig angeboten werden, doch die Grenze zum Übertriebenen sollte nicht überschritten werden.

Es wäre also ratsam, sich als Designer bzw. als Modefirma Strategien zu überlegen, wie auch Kunden angesprochen werden können, die über geringere finanzielle Mittel verfügen und nicht mit der Platinkreditkarte das Geschäft betreten. Natürlich muss hierbei das Image des Labels gewahrt werden, und auch die Beschaffenheit der Produkte sollte in Mitleidenschaft gezogen werden. Einige Firmen haben bereits einen akzeptablen Mittelweg gefunden indem sie eine Zweitlinie gründeten, die preiswertere  Artikel anbietet, z.B. Dolce&Gabbana ( D&G), Moschino ( Moschino Cheap and Chic), Max Mara ( Sportmax) und Ralph Lauren ( Ralph Lauren Blue Label). Siehe da, es ist möglich! Selbstverständlich ist dies nicht für jede Firma eine potentielle Lösung, doch schon ein geschärftes Bewusstsein sollte dazu führen, auf neue Ideen zu stoßen dem Copycat- Problem den Kampf anzusagen.

Denn wie in vielen Bereichen ist es doch am Ende so: Diejenigen, die sich am Lautesten über die Unverschämtheit der Modediscounter beschweren sind genau dieselben, die ihre Produkte zu den utopischsten Preisen anbieten.

Um zurück zu Zara und deren Kopie- Vorliebe zu kommen: Das Konzept ist so attraktiv ( Produkte, die immer dem aktuellsten Trend entsprechen und aus der Ferne wie echte Designerkleidung aussehen zum Niedrigpreis), dass es nur unwirtschaftlich wäre, davon zurückzutreten.

Einzig denkbare Lösung wäre, dass Verbraucher mehr Sinn und Vorliebe für Individualität entwickeln, nicht gedankenlos kaufen und sich über alternative Labels informieren, die derselben Preisklasse angehören.

Die ewige Diskussion über dreistes Kopieren wird wohl noch länger anhalten, siehe der neusten Artikel bei LesMads:

http://www.lesmads.de/tag/copycats

Quellen:

http://www.lesmads.de/2010/04/katzenjammer_zara_kopiert_miu_miu.html

http://www.modepilot.de/2010/09/23/z-wie-zufall/

http://mangobluete.tumblr.com/post/1334355303/skandal-oder-war-zu-erwarten-edit

http://www.zeit.de/2005/40/Mode_2fZARA

http://www.stern.de/lifestyle/mode/fast-fashion-kopieren-geht-ueber-studieren-584523.html

http://www.wiwo.de/unternehmen-maerkte/zick-zack-zara-161136/

http://www.textilwirtschaft.de/service/archiv/pages/show.php?id=182927&a=0

http://www.faz.net/s/RubEC1ACFE1EE274C81BCD3621EF555C83C/Doc~E766A7E7E23344B6E8A52A30D80228A87~ATpl~Ecommon~Scontent.html#

besucht am 15. und 22.12.2010

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