Steigender Kaffeekonsum und steigende Kaffeepreise – gut oder schlecht für die Coffeeshops?

Der Deutsche Kaffeeverband veröffentlichte vor Weihnachten zahlen zum Kaffeekonsum in Deutschland für das Jahr 2010. Die Ergebnisse kann man unter Anderem in einem Focus-Artikel nachlesen. Demnach tranken die Deutschen im letzten Jahr im Durchschnitt 150 Liter Kaffee. Das macht 410 Mililiter oder zweineinhalb Tassen pro Tag.

Pro-Kopf-Konsum

Pro-Kopf-Kosum 1950-2009

Hört sich wenig an. Nehmen wir also andere Zahlen: Deutschland verbraucht im Jahr etwa 500 000 Tonnen Rohkaffee (ohne Fruchtschale, nahezu ohne Samenschale). Bei ungefähr 82 Millionen Einwohnern würde das einen Pro-Kopf-Konsum von 6,25 Kg im Jahr und 17,12 Gramm pro Tag machen. Bei durchschnittlich 7 Gramm Kaffee pro Tasse sind wir wieder bei den zweieinhalb Tassen.

Aber jetzt mal ehrlich? Warum rechnet man denn die volle Bevölkerung? Babys und Kleinkinder trinken doch sicher weniger Kaffee als Erwachsene. Naja, eigentlich gar keinen. Einem Diagramm des statistischen Bundesamtes von 2008 lässt sich entnehmen, dass etwa 70.863.200 Personen in Deutschland über 15 Jahre alt sind. Mit diesen Zahlen steigt der durchschnittliche Kaffeekonsum der über 15-Jährigen pro Person auf 2,8 Tassen pro Tag. Immerhin.

Wichtig an der Studie des Kaffeeverbandes ist aber, dass der Kaffeekonsum insgesamt gestiegen ist. Und zwar um etwa ein bis zwei drei Prozent. Außerdem erfahren wir, dass die Kaffeepreise in den vergangen 12 Monaten um 40% gestiegen sind. Wir haben davon bisher wenig bis nichts gemerkt. Die Verbraucherpreise sind nämlich nur um etwa 3% gestiegen.

Allerdings, und das führt mich zu unseren Coffeeshops, konnte sich der Außer-Haus-Verkauf nicht verbessen. Seit der Krise 2009 erholt er sich nicht. Die Deutschen trinken laut der Studie ihren Kaffee am liebsten daheim und zwar zunehmend in Form von Pads, Kapseln und Co. Hier erwartet man einen Zuwachs von 10%.

Steigende Kaffeepreise und ihr Einfluss auf die Coffeeshops

©Andrea Kuhn

Was bedeuten die steigenden Rohkaffeepreise, die bisher noch nicht an die Konsumenten weitergegeben wurden. Experten gehen davon aus, dass der Preis pro Pfund Kaffee 2011 um etwa 50 Cent steigen wird. Auch die Margen der Coffeeshops dürften sich durch die hohen Kaffeepreise etwas reduzieren. Aber, in dieser Branche findet man hohe Margen. Ich habe im Internet Werte von 800% bis 1700% gefunden.

Ein Rechenbeispiel belegt dies. Die Rösterei Kettwiger zum Beispiel berechnet den Wareneinsatz für einen Latte Macchiato wie folgt:

Espresso Crema
+ Zucker
+ Milch
+ Gebäck
0,098€
0,010€
0,050€
0,030€
= Wareneinsatz 0,188€

Wenn sich also der Kaffeepreis um 40% erhöht, bedeutet das einen neuen Wareneinsatz von 13,72 an Espresso und 22,72 Cent insgesamt. Gehen wir von einer Marge von 800% aus, bedeutet dies, dass das Unternehmen einen Gewinn von 1,2768 Euro gegenüber vorher 1,316 Euro – 3,92 Cent weniger. Bei durchschnittlich 100 Tassen Latte am Tag macht dass 3,92 Euro am Tag und 1.430,80 Euro im Jahr.

Diskussion

So und nun möchte ich euch fragen, ob ihr glaubt, dass die Coffeeshops unter der Erhöhung der Preise für Rohkaffee leiden werden. Denn, und das möchte ich dazu noch sagen, die Coffeehops haben in meinen Augen kaum eine Notwendigkeit die Preise für ihre Kunden zu erhöhen. Diese zahlen schließlich weniger für den Kaffee als für Atmosphäre und Co.. Ersterer macht nur einen sehr geringen Teil des Preises aus.

Auf der anderen Seite muss der Verbraucher für Kaffee, den er zu Hause trinkt einen Preisanstieg von 13,6% (50 Cent Erhöhung bei einem durchschnittlichen Kaffeepreis von 3,69 Euro/Pfund) hinnehmen. Zumindest im Supermarkt merkt man das, auch wenn es auf die Tasse Kaffee gerechnet gerade mal 0,7 Cent sind.

Ich bin gespannt auf euer Urteil. Glaubt ihr, dass es aus Unternehmersicht Sinn macht die Preise zu erhöhen oder findet ihr, dass man diesen relativ geringen Gewinnrückgang in Kauf nehmen sollte um die Kunden nicht zu verärgern? Was wäre wohl der psychologische Effekt, wenn überall die Kaffeepreise steigen, nur in Coffeeshops nicht?


Quellen

24.12.2010, Kaffeekonsum – Pro-Kopf-Verbrauch bei über 150 Litern, veröffentlicht: http://www.focus.de/panorama/vermischtes/kaffeekonsum-pro-kopf-verbrauch-bei-ueber-150-litern-im-jahr_aid_584575.html, besucht: 04.01.2011, 15:00 Uhr.

24.9.2005, Kaffeekonsum, veröffentlicht: http://www.foodaktuell.ch/archiv.php?id=130&class=faktuell, besucht: 04.01.2011, 15:30 Uhr (Artikel bezieht sich auf Broschüre «Ausserhaus-Verbrauch von Kaffee» des deutschen Kaffee-Verbandes)

Kaffee – Die schwarze Verführung, veröffentlicht: http://www.haushaltstipps.net/kaffee.html, besucht: 04.01.2011, 15:45 Uhr

Bevölkerung Deutschlands nach Altersgruppen, Stand 31.12.2008 (in 1.000), veröffentlicht: http://de.statista.com/statistik/daten/studie/1365/umfrage/bevoelkerung-deutschlands-nach-altersgruppen/, besucht: 04.01.2011, 15:45 Uhr

25.12.10, 2011: Kaffee soll deutlich teurer werden, veröffentlicht: http://www.shortnews.de/id/868392/2011-Kaffee-soll-deutlich-teurer-werden, besucht: 04.01.2011, 16:00 Uhr

Gastronomie und Gewerbekunden, http://www.kettwiger-roesterei.de/shop/page/13?shop_param=, besucht: 04.01.2011

Bildquellen:

Pro-KopfVerbrauch in Deutschland – Entwicklung (http://www.kaffeeverband.de/presse/zahlen-daten-fakten/258-pro-kopf-verbrauch)

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  1. #1 von Daniela am Januar 10, 2011 - 9:09 pm

    Hallo Andrea!
    Also ich liege mit meinen 2 Milchkaffee am Tag wohl unter dem Durchschnitt, weil ja in einem Milchkaffee nicht viel Kaffee und dafür umso mehr Milch enthalten sind 😉
    Interessant ist allerdings die Kostenstruktur und die gegenübergestellten Verkaufspreise, bzw. die hohen Margen in dieser Branche.

    Wenn Coffeeshops diese hohe Marge von wenigstens 800% realisieren können, denke ich, das sie mehr als genug „Puffer“ haben um die Preiserhöhung nicht an den Kunden weiter zu geben, bzw. die Preise zu halten.

    Die Coffeeshops sollten davon profitieren, auch wenn sie ggf. an Marge verlieren. Denn es werden auch wieder bessere Zeiten kommen und wer dann einen großen loyalen Kundenstamm aufgebaut hat, der sich freut nicht ständig unter Preiserhöhungen zu leiden, der wird dem Unternehmen auf lange Sicht gesehen mehr bringen als eine Preiserhöhung.

    Die Konsumenten achten immer mehr darauf wofür sie ihr hart verdientes Geld ausgeben und solche aktuellen Ereignisse wie der Futtermittelskandal lässt Konsumenten wieder etwas aufmerksamer werden und sensibler mit Informationen und Preisänderungen umgehen. Wenn ich für meinen Bohnenkaffee für zu Hause mehr bezahlen müsste, als ich im Coffeeshop bezahle, würde ich wohl öfter einen Balzac-Coffee oder einen Einsteinkaffee trinken als jetzt.

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