In General!

Der Begriff der Copycat bezeichnet deutsche Kopien oder Klone existierender Dienste und Geschäftsmodelle aus den USA, die dort bereits erfolgreich sind.

Statt eigene, vorher ungeprüfte Konzepte umzusetzen, beschränkten sich manche Gründer und Investoren in Deutschland darauf, mit zum Teil auch optisch ähnlichen Nachbildungen von US-Services ihr eigenes Risiko zu minimieren und die Chancen für einen schnellen Exit zu maximieren. Beispiele hierfür sind unter anderem die Facebook-Copycat studiVZ, das Groupon-Äquivalent (und dann von Groupon übernommene) CityDeal. Bei allen gehörten die Gebrüder Samwer (alando) zu den Geldgebern. Ihr Name ist seit einigen Jahren untrennbar mit dem Copycat-Begriff verknüpft.

Der Begriff Copycat führt zu einer ganzen Reihe negativer Assoziationen. Bei einer Copycat handelt es sich um eine möglichst exakte Abbildung eines existierenden Dienstes, sowohl konzeptionell als auch optisch – allerdings ohne die ursprüngliche Idee nennenswert weiterzuentwickeln oder zu verbessern.

Wir müssen etwas genauer darüber nachdenken, welche Services wir als Copycat bezeichnen.

Der Begriff und die damit üblicherweise verbundende Kritik über unfähige deutsche Startups scheinen sich mittlerweile zu einem simplen Reflex entwickelt zu haben.

War z.B. das Nexus One eine Copycat vom iPhone? War der iPod eine Copycat von zuvor existierenden MP3-Playern? Ist das neue Fast-Food-Restaurant um die Ecke automatisch eine Copycat von McDonalds oder Burger King? Die Antwort auf all diese Fragen ist natürlich ein klares “nein”.

Nur sehr wenige Geschäftsmodelle, Produkte und Services, die heutzutage entwickelt werden, sind zu hundert Prozent neuartig.

Die meisten populären Services waren nicht Pioniere in ihrem Sektor, sondern griffen existierende Ideen auf und entwickelten sie weiter. Facebook war nicht das erste Social Network, Google nicht die erste Suchmaschine, Firefox oder Chrome nicht die ersten Browser usw. Eine Ausnahme stellt Twitter dar, das tatsächlich kein Vorbild hatte, an dem es sich orientieren konnte.

Eine gute Idee allein reicht nicht dafür aus, um sie im geschäftlichen Sinne für alle Zeit für sich reklamieren zu können. Eine Idee muss umgesetzt und erfolgreich zum Markt gebracht werden. So lange dies nicht geschieht, ist sie nichts wert. Und bis dahin ist es zu begrüßen, dass sich immer neue Jungunternehmen an ihr versuchen

Darin liegt letztlich das Problem von Copycats: Sie bringen die Originalidee nicht voran, sie beschneiden sie zumeist eher, um für das verantwortliche Startup möglichst wenig Kosten zu beinhalten.

Copycats fördern keine Innovation und bringen niemanden voran. Deshalb rümpfen viele Beobachter der Branche die Nase, wenn sie das Wort hören. Doch es gehört eine Menge dazu, zu einer Idee das passende Team zusammenzustellen, das das Konzept auch erfolgreich umsetzt.

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